Dafür könnte nach meiner Meinung nicht einer von denen verantwortlich gemacht werden, welche die Grafiken einbanden
Doch. Genau deswegen dürfen Social Iframes nicht ohne Datenschutzwarnung eingebunden werden. Hotlinking ist ja ein ganz anderes Denkmodell. Es geht hier nicht mehr darum, ob ich mich mit fremden Inhalten schmücke - das ist in diesem Falle gewollt und das Thema damit gegessen.
Es geht jetzt vielmehr darum, ob ich mittels Hotlinking Nutzerdaten von gänzlich Unbeteiligten ohne deren Zustimmung und Wissen nach Übersee senden darf.
Problem
Ich sag's mal drastisch: wenn schon Lavabit mit 400.000 Benutzern schließen muss, um nicht rechtsbrüchig zu werden, wie steht es dann mit Begehrlichkeiten der NSA auf eine Blogplatform mit 70 Millionen Instanzen, die standardmäßig Avatare via gravatar.com hotlinken? Wenn 1+1=2 ist, dann hat die NSA nach FISA rechtmäßigen Direktzugriff auf gravatar.com-Logdateien.
Lassen wir also einmal einen NSA-Mitarbeiter eine bestimmte E-Mail-Adresse in sein Terminal tippen, dann macht in einem Seiten-Thread ein kleines Progrämmchen:
grep $(md5(E-MAIL-HASH)) LOGDATEIEN
und spuckt als niedliche Tabelle alle URLs zu den Kommentaren aus, die die gesuchte E-Mail-Adresse in den letzten Jahren seit 2007 in potentiellen 60 bis 70 Millionen WordPress-Sites hinterlassen haben könnte.
Das funktioniert unabhängig davon, ob du bei gravatar.com registriert bist!
Denn, der Graukopf-Avatar (Kommentator ist also nicht auf gravatar.com registriert) ist ein Failure-Hotlink auf gravatar.com, der den Hash der E-Mail-Adresse dieses Nutzers enthält, welcher wiederum seine echte Adresse angab, weil er so gerne benachrichtigt werden wollte, falls jmd. auf seinen Kommentar antwortet... :(
Ja, natürlich ist das nur ein Steinchen im Bauwerk der Datenschnüffelei. Aber ein wesentliches. Es geht schließlich um ganz persönliche Meinungen einer Zielperson, die diese vielleicht gewohnheitsmäßig überall hinterlässt. Allein daraus kannst du ein Gesinnungsprofil zu einer beliebigen E-Mailadresse erzeugen. Ach, und nicht vergessen: die IP-Adresse steht in den Logs überall mit dabei, womit weitere Querverbindungen verfolgbar werden. Die IP-Adresse gehört nach deutschem Recht zu den personerbezogenen Daten. Ich bin sicher: es ist nur eine Frage der Zeit, bis deutsche Datenschützer den Avatar-Haken in den Einstellungen für illegal erklären.
Niemand kann doch von Automattic erwarten, dass die nun gravatar.com zumachen, so wie Lavabit. Soviel Charakter haben auf der ganzen Welt wohl nur ganz wenige Nasenträger, obwohl von denen die Zeitungen derzeit voll sind. Aber aus dem Blickwinkel des (nicht nur) deutschen Blognutzers ist das ein nicht bewiesener, aber möglicher und darum wahrscheinlicher Datenschutz-Gau der Gesinnungsschnüffelei.
"Globally Recognized Avatar" ist nun einmal "Globally Recognized" :grin:
Lösung
Die Lösung heißt natürlich: lokale Avatare. Es gibt Plugins dafür. Die unterbinden zwar normalerweise gravatar.com-Abrufe im Backend nicht. - Doch da wird schon das nächste Datenschutz-Plugin am Horizont erkennbar - und dafür können wir WordPress wieder lieben.