Es ist schon putzig. Immer, wenn ich mich im Leben zu etwas neuem hinwende, geht das anschließend zu Grunde
Als ich geboren wurde, starb gleich darauf Elvis. Als ich 1988 in die Bundesrepublik kam, ging paar Monate später die DDR unter. Als ich in meiner ersten Ausbildung zur Bahn ging, um lebenslang Beamter zu werden, war da plötzlich eine AG. Als ich zum Bund ging, gab es plötzlich neue Verhaltensrichtlinien für die Innere Führung und es gab Kasachen in einer deutschen Armee. Als ich in meiner zweiten Ausbildung in einer Druckerei lernte, wurde plötzlich Personal abgebaut und nichts war wie vorher. Als ich Freiberufler wurde, kam bald die Wirtschaftskrise. Als ich mich gerade mit Joomla 1.0 befasst hatte, wurde das Projekt eingestellt. Als ich phpwcms ausprobierte, wurde plötzlich die Entwicklung lahm. Und nun Wordpress. Ich fange damit an, alle gehen und es bleiben nur noch Leute die mit Geldverdienen oder anderen Blogmist das Internet bereichern.
Ich bin leider auch ein Schwarzseher. Ich sehe zunächst immer das schlechte und bin nie zufrieden. Das ist eine Gabe aber auch eine Belastung. Ich finde nicht, das Wordpress zu viele Features hat, im Gegensatz zu Joomla sind da fast keine Features. Die simpelsten Dinge, wie Artikel nach Namen sortieren gehen nur über Code-Änderungen. Zu jedem kleinen Detail gibt es Plugins, die meist nur aus ein paar Zeilen bestehen und nur Geringes leisten. Eigentlich Notwendiges leisten. Zu allem Übel gibt es zu jedem Feature auch noch 10 Plugins, die immer aber nur die 90% des gewünschten können. Wenn man dann schaut, was mit Wordpress gemacht wird, sind 90% einfach Müll oder Lapidares Zeug. Die einen wollen mit Blogspam Geld verdienen. Die anderen zitieren alles, was irgendwo schon gesagt wurde und der Rest stellt Baby- oder Hundebilder ein. Darauf hat die Welt gewartet. Das Theme bleibt dabei überhaupt unangetastet. Einige wenige schaffen den Austausch eines Headerbildes.
Aber ich sehe auch, dass es wunderbare Webseiten gibt, wie texto.de, das Blog von Bueltge oder code-styling.de. Dass sind Leute, die sich echt bemühen, sinnvolle Sachen zu veröffentlichen und anderen mit ihrem Wissen helfen. Für mich war Wordpress auch erst ein weißes Blatt und dank dieser Blogs und dem Forum hier habe ich viel gelernt.
Ich kenne wie gesagt, auch ein paar andere CMS. phpwcms, Joomla und ein klein wenig Typo3. Meine vorherigen Webseiten waren nie valide. Bei phpwcms gab es keine Templates. Man fängt mit einem weißen Blatt an. Joomla ist schon im Admin-Interface schwer und träge, kein Vergleich zu Wordpress. Hat das Template vielleicht keine Tabellen, kommen welche durch Plugins rein. Nie hat es richtig gepasst. Von valide keine Spur. Nie hatte ich bei einem CMS eine schöne Bildgalerie. Oder Updates. Davor hatte ich immer Angst. Bei phpwcms gingt danach meist nix mehr. Bei Joomla oft auch.
Nun habe ich mich seit einem halben Jahr mit Wordpress beschäftigt. Zunächst sieht man die Dinge die es nicht kann. Dann lernt man, wie man an den Code geht, sein Theme verändert, plötzlich eine schicke Bildgalerie hat, durch WPSEO ordentliche URLs und Titel dazukommen, die Seite irgendwann mal in Google klettert, der Code keine Tabellen mehr hat und valide ist. Das Update klappte immer und nur kleine Dinge musste man einrenken. Ich blogge nicht mit Wordpress. Es ist eine Mischung aus Blog-Eigenschaften und statischen Seiten, um meine Freiberuflichkeit im Internet vorzustellen. Es gibt noch nichtmal eine Kommentarfunktion, weil ich mir den Spam und Kommentare wie "Sehr schön!" oder "Naja." tatsächlich schenken kann. Insofern ist im Moment meine schönste Webseite durch viel Arbeit mit Wordpress zu stande gekommen. Und die sieht nicht aus wie eine Wordpress-Seite
Ich erkenne fast alle CMSe, wie Typo3 (sieht immer siemens-mäßig aus) oder Joomla (CMS für die Pubertierenden mit diesen typisch fetten Templates aus USA) am Frontend. Wordpress auch (alles immer nur von oben nach unten, Sidebar und Ende).
Im Moment kehre ich also nicht den Rücken. Denn wer den Rücken kehrt, der muss auch wieder hinein kommen (nach Wehner) bzw. eine Alternative haben.
Wolf