Kostenloser Prüfbericht: passen Rechtstexte und tatsächlich geladene Dienste zusammen? (DE und AT)

  • Hallo zusammen,

    ich habe ein Werkzeug gebaut, das eine andere Frage stellt als die üblichen Checks. Nicht „ist eine Datenschutzerklärung da", sondern: Passt das, was der Shop tatsächlich lädt, zu dem, was seine Rechtstexte erklären?

    Konkret wird gecrawlt, welche Dienste, Tracker, Cookies und Zahlungsanbieter eine Seite einbindet, und das dann gegen Datenschutzerklärung, Impressum und AGB gehalten. Der Crawler geht dabei bis in den Warenkorb und an die Kasse, weil Zahlungsanbieter erst dort auftauchen und Grundpreise nur am Artikel stehen. Ein Startseiten-Scan sieht das nicht.

    Geprüft wird für Deutschland nach DDG, BGB und PAngV, für Österreich nach ECG, MedienG, UGB, GewO und FAGG.

    Bericht gratis und sofort im Browser, ohne Anmeldung. Das PDF gibt es gegen eine bestätigte Mailadresse. Bezahlt wird nur die laufende wöchentliche Beobachtung, ab 19 Euro im Monat. Der Scan selbst bleibt kostenlos.

    Passen Ihre Rechtstexte zu Ihrem Webshop?
    Kostenloser Scan für österreichische Webshops: geladene Dienste, Cookies und Zahlungsanbieter gegen Ihre Datenschutzerklärung, AGB und Impressum.
    konformia.at

    Zwei Dinge, die ich vorweg sagen will, weil sie hier sonst zu Recht aufschlagen:

    Der Scan dauert. Median rund eine Minute, in Einzelfällen bis drei. Das ist der Preis dafür, dass bis zur Kasse gecrawlt wird.

    Ich melde lieber nichts als etwas Falsches. Timeout, Bot-Wall, fehlende Antwort werden als „nicht prüfbar" ausgewiesen, nie als Lücke. Jeder Befund ist als „mögliche Lücke, bitte prüfen" formuliert, nie als Verstoß. Ich bin kein Anwalt und es wird auch keiner dazukommen, das Ding ist ein Messgerät und kein Gutachten.

    Mich würde interessieren:

    • Findet ihr Fehlalarme? Das ist die Frage, die mich am meisten umtreibt.
    • Ist verständlich, was ein Befund bedeutet, ohne dass man Jurist ist?
    • Fehlt eine Prüfung, die ihr in der Praxis ständig braucht?

    Wer mag, scannt eine eigene Seite und sagt mir, was daneben liegt. Kritik ist mir lieber als Lob, weil ein Prüfwerkzeug, das falsch meldet, schlimmer ist als keins.

    Viele Grüße aus Wien
    Immanuel

    konformia.at

    2 Mal editiert, zuletzt von immschr (11. September 2026 um 15:34)

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  • Servus Immanuel,

    spannendes Werkzeug, aber ich nehme dich beim Wort mit "Kritik ist mir lieber als Lob". Der Reihe nach zu deinen drei Fragen, dann noch ein paar generelle Punkte.

    Zu den Fehlalarmen:
    Genau da würde ich am meisten Skepsis erwarten, gerade bei den Punkten, die tief in die Kaufstrecke gehen:

    • Consent-Management-Tools (Usercentrics, Cookiebot, CookieYes etc.) laden selbst oft schon Skripte, bevor der Nutzer überhaupt eine Wahl trifft – nur eben "im eingeschränkten Modus". Erkennt dein Crawler den Unterschied zwischen "Tracker feuert technisch" und "Tracker feuert, aber ohne personenbezogene Daten zu senden"? Sonst bekommst du bei jedem Shop mit einem CMP false positives, obwohl er rechtlich sauber ist.
    • Wie gehst du mit A/B-Testing- oder Feature Flag Tools um, die nur für einen Teil der Besucher laden? Dein Crawler sieht ja nur einen Durchlauf.
    • Warenkorb/Kasse: Viele Shops zeigen Zahlungsanbieter erst nach Auswahl von Land/Versandart oder nach Login. Wenn dein Crawler das nicht simulieren kann, meldest du dann fälschlich "Zahlungsanbieter fehlt in den Rechtstexten", obwohl er einfach hinter einem weiteren Klick sitzt?
    • Bot-Walls/Cloudflare-Challenges: Du sagst, das wird als "nicht prüfbar" ausgewiesen – aber wie oft passiert das in der Praxis? Wenn ein nennenswerter Anteil der 550+ geprüften Shops in diese Kategorie fällt, ist die Aussagekraft des Berichts für den durchschnittlichen Nutzer geringer, als die Startseite suggeriert.

    Konkrete Zahl wäre hilfreich: Wie hoch ist aktuell die Quote "nicht prüfbar" über alle Scans? Das würde mehr Vertrauen schaffen als die reine Domain-Zahl – zu der gleich noch mehr.

    Was fehlt in der Praxis:

    • Affiliate-Links/Influencer-Kooperationen und deren Kennzeichnungspflicht.
    • Social-Login-Buttons (Facebook/Google Login) als eigener Datenschutz-Trigger, unabhängig vom Tracking.
    • Mehrsprachige Shops: Wenn ein .at-Shop eine DE- und eine AT-Version derselben Domain ausliefert (Geo-IP-Weiche), welche Version scannst du, und meldest du das transparent?
    • Marketplace-Konstellationen (Shop verkauft auch über Amazon/eBay mit eigenem Impressum-Feed).

    Generelle Kritikpunkte, unabhängig von deinen Fragen:

    1. Wer steht dahinter? Auf der Startseite selbst ist nirgends erkennbar, wer das Tool baut oder betreibt – man muss erst über den Impressum-Link klicken. Für ein Werkzeug, das anderen fehlende Transparenz vorhält, ist das ein unnötiger Widerspruch. Ein Satz mehr auf der Startseite ("gebaut von …, aus Wien") würde Vertrauen schaffen statt es einer Suche zu überlassen.
    2. PDF gegen bestätigte Mailadresse – verstehe den Grund (Spam-Schutz, Lead-Qualifizierung), aber sei dir bewusst: "Du prüfst bei anderen, ob vorangekreuzte Einwilligungen oder unnötige Datensammlung vorliegen, verlangst selbst aber eine E-Mail-Bestätigung, bevor ich mein Ergebnis bekomme" wird hier im Thread garantiert kommen. Rechtlich sauber, weil Double-Opt-in das Gegenteil von vorangekreuzt ist – aber ein erklärender Satz dazu würde den Einwand vorwegnehmen.
    3. Preismodell wirkt an manchen Stellen unrund. Kostenloser Scan einmal im Monat, danach 19 €/Monat für einen einzelnen Shop – im Vergleich zu reinen Rechtstext-Update-Services, die für ähnliches Geld gleich die Texte mitliefern statt nur zu scannen, ist das kein Selbstläufer. Der USP (Ist-Zustand gegen Text, nicht Text gegen Gesetz) rechtfertigt das inhaltlich, aber das muss auf der Preisseite auch so ankommen, sonst vergleicht der Kunde Äpfel mit Birnen und findet es teuer.
    4. 550+ / 400+ geprüfte Domains als Kennzahl – das sagt nichts über zahlende, wiederkehrende Kunden aus, das könnten fast alles Einmal-Scans sein. Als Vertrauenssignal eher schwach, eher eine Vanity-Metric. Aussagekräftiger wäre z. B. "X Shops in laufender Beobachtung" oder eine anonymisierte Erfolgsquote ("Y % der gemeldeten Lücken wurden innerhalb von 30 Tagen geschlossen").
    5. Keine Referenzen, keine Fallstudien, keine Kundenstimmen. Gerade weil du Fehlalarme so ernst nimmst, wäre eine öffentliche Fehlalarm-Quote oder wenigstens ein "so hat sich das für Shop X ausgewirkt" glaubwürdiger als die reine Behauptung "wir melden lieber nichts als etwas Falsches".
    6. Aktualität des Rechtskalenders – wer pflegt den, und was passiert, wenn sich eine Frist verschiebt (bei EU-Recht keine Seltenheit)? Ein falsches "Stichtag in 4 Wochen" ist im Zweifel schlimmer als gar keine Ankündigung, weil Leute dann in Aktionismus verfallen.
    7. Abgrenzung zu bestehenden Playern – IT-Recht Kanzlei, Trusted Shops & Co. bieten seit Jahren Abmahnradar/Update-Services mit ähnlichem Versprechen. Dein USP ist der Realitätsabgleich Shop↔Text, aber im Thread wird garantiert "warum nicht gleich XY" kommen. Eine Ein Satz Abgrenzung dazu würde helfen.

    Fazit von mir: Der Ansatz ist der richtige Hebel, und die Grundhaltung "nicht prüfbar statt falsch positiv" ist genau richtig für so ein Tool. Die größte Schwachstelle sehe ich aktuell weniger im Konzept als in zwei Dingen: erstens, wie robust der Crawler mit modernen SPA-Shops, CMPs und mehrstufigen Checkout Flows umgeht – da würde ich zuerst echte Fehlalarm Quoten sammeln. Und zweitens, wie viel Vertrauen die Seite selbst ausstrahlt (Team, Referenzen, echte Nutzungszahlen statt Domain Zählung), bevor du das Ding breiter bewirbst.

    Grüße zurück nach Wien

    Kennst du schon Dreamcodes ?

    Einmal editiert, zuletzt von Baldini (14. September 2026 um 14:28)

  • Interessantes Tool, ich prüfe es gerade. Was mich interessiert wäre:
    1) Kann ich nach Prüfung und Änderungen eine weitere Prüfung durchführen, bzw. wie viele Prüfungen ohne späterer Überwachung sind denn generell gratis möglich?
    2) Gibt es eine Möglichkeit ein Abo für Prüfungen abzuschließen? Also z. B. "xy Prüfungen/ Monat um Preis soundso". Das wäre frür Freelancer oder Agenturen schon wichtig.

  • Interessantes Tool, ich prüfe es gerade. Was mich interessiert wäre:
    1) Kann ich nach Prüfung und Änderungen eine weitere Prüfung durchführen, bzw. wie viele Prüfungen ohne späterer Überwachung sind denn generell gratis möglich?
    2) Gibt es eine Möglichkeit ein Abo für Prüfungen abzuschließen? Also z. B. "xy Prüfungen/ Monat um Preis soundso". Das wäre frür Freelancer oder Agenturen schon wichtig.

    Hallo,

    danke fürs Ausprobieren!

    Zu 1: Gratis ist eine Prüfung je Shop alle 30 Tage, ohne Konto. Nach einer Änderung kannst du denselben Shop also erst nach Ablauf der 30 Tage wieder gratis prüfen. Im Abo geht das sofort: Jeder Shop wird jede Woche automatisch geprüft, und nach einer Änderung startest du selbst eine neue Prüfung, je Shop einmal in 24 Stunden.

    Zu 2: Ein reines Kontingent („xy Prüfungen im Monat“) gibt es nicht, das Abo rechnet in beobachteten Shops: 19 € für einen, 39 € für 3, 99 € für 10, 199 € für 30, darüber auf Anfrage, monatlich kündbar. Die Shops trägst du selbst ein und kannst sie tauschen. Selbst starten kannst du in 24 Stunden so viele Prüfungen, wie dein Tarif Shops hat, und der erste Lauf eines neu eingetragenen Shops zählt dazu. Die Berichte gibt es als PDF für deine Kunden.

    Grüße
    Immanuel

  • Danke Baldini für die ausführliche Antwort.

    Ich geh direkt auf deine Themen ein:
    Fehlalarme

    Consent-Tools: Der Scan unterscheidet das, sst.
    - Google schickt bei jeder Messanfrage mit, ob eingewilligt wurde (Consent Mode). Meldet die Seite dort nur „abgelehnt“ und setzt keine Cookies, gibt es keinen roten Befund, sondern einen gelben Hinweis, weil die Rechtslage dazu umstritten ist.
    - Bei Microsoft Clarity, Microsoft Advertising und TikTok unterscheidet der Scan, ob nur das Skript geladen hat oder schon Messdaten an den Anbieter gehen. Rot ist nur das Zweite.
    - Legt eine Seite nur die leere Warteschlange eines Trackers an und das Consent-Tool blockiert das eigentliche Skript, gibt es keinen Befund.
    - Zusätzlich klickt der Scan auf „Ablehnen“ und misst ein zweites Mal. Was danach noch Daten schickt, ist rot, egal welches Tool läuft.
    - Rot ist also, was vor der Einwilligung nachweislich Daten an den Anbieter schickt oder Cookies setzt. Google Fonts
    oder ein eingebettetes YouTube-Video haben keinen eingeschränkten Modus, die laden oder eben nicht.

    A/B-Tests: Erkennt der Scan Optimizely, VWO oder AB Tasty, steht im Bericht, dass wir nur eine Variante gesehen haben. Andere Tools erkennen wir nicht, dann gilt einfach, dass der Bericht einen Durchlauf zeigt.

    Kasse: Hier läuft es umgekehrt. Wir melden nur Zahlungsanbieter, die wir tatsächlich laden gesehen haben. Einer, der
    erst nach Land, Versandart oder Login erscheint, fehlt im Bericht, wird aber nicht als Lücke gemeldet. Der Bericht sagt dazu, dass wir diese Schritte nicht durchspielen. Die Kasse selbst erreichen wir bei etwa 40 % der Shops.

    Bot-Walls: An der Startseite scheitern wir praktisch nie (1 von 552 von mir geprüften Domainen). Häufiger ist, dass wir keinen einzigen Rechtstext lesen können, das betrifft rund jeden zehnten Shop. Die Gründe dafür sind unterschiedlich (Bot-Schutz, robots.txt, gar kein Shop) und noch nicht einzeln ausgewertet, deshalb gibt es dafür noch keine veröffentlichte Quote.

    Was fehlt

    - Affiliate-Kennzeichnung: prüfen wir nicht. Ob ein Beitrag gekennzeichnet sein muss, hängt am Inhalt und nicht an einer Einbindung, und das kann ein Scanner nicht verlässlich beurteilen.
    - Social Login: Das Facebook-SDK (Like, Login, Messenger) ist ein eigener Befund, getrennt vom Meta Pixel. Google-Login erkennen wir nicht gesondert.
    - Geo-IP-Weiche: Wir fragen mit österreichischer Spracheinstellung an und folgen der Sprachangabe des Shops. Der Server steht aber in Finnland, eine reine IP-Weiche sieht also einen finnischen Besucher. Das deckt der Scan nicht ab.
    - Marktplätze: nicht im Umfang. Geprüft wird die eigene Domain des Shops.

    Für die Konstruktive Kritik bin ich sehr dankbar und werde einige Dinge auch umsetzen.

    Noch offene Fragen:
    - Rechtskalender: Gepflegt durch meine API. Eine Frist erscheint nur, wenn sie gegen die Primärquelle (RIS, EUR-Lex, Bundesgesetzblatt) geprüft ist und ein Prüfdatum trägt, ohne Datum steht sie in keinem Bericht. Zwei Wächter melden, wenn sich eine der zugrunde liegenden Normen ändert. Verschiebt sich eine Frist, wird der Eintrag neu geprüft, bevor er wieder erscheint.

    Grüße
    Immanuel

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