Gute Entwickler sind Künstler und als solche brauchen Sie kreativen Freiraum. Flache Hierarchien mit kompetenten Vorgesetzten sind wichtig. Ein flexibles Arbeitsumfeld muss jeden individuellen Typ ansprechen, einer will auf der Couche mit dem Netbook programmieren, der andere will ein eigenes Zimmer mit 3m Rundconsole und 5 Monitoren. Flexible Arbeitszeiten sind Pflicht. Arbeiten wann man will, also auch am Sonntag in der Früh um 3:00 Uhr, dann gerne von zu Hause.
Das Unternehmen muss auch verstehen, dass viele Entwickler neben ihrer künstlerischen Ader auch noch einen extrem logischen Verstand haben. Einige sind regelrechte Savants und haben deswegen z.B. leichte soziale Defizite (Klischee: Programmierer sitzt im dunklen Keller mit Pizza und Cola). Die Kommunikation muss entsprechend individuell angepasst werden.
Und dann ist da noch die Bezahlung. Es hat einen Grund warum sehr viele hochprofessionelle Entwickler selbständig sind. Ohne Entwickler haben andere Abteilungen in einer digitalen Welt nichts zu tun: kein Verkauf, kein Marketing. Gute Entwickler verdienen als Freelancer leicht 80k€ pro Jahr und arbeiten dabei nur 6 Monate. Sehr gute Entwickler mit Spezialwissen und Neigung zum Workaholic verdienen als Freelancer gerne auch einmal 250k€ pro Jahr. Arbeitgeber, die einen guten Entwickler mit 60k€ für eine Vollzeitanstellung entlohnen wollen, werden es schwer haben. 'Nebenleistungen' wie kostenloses eBike oder Pool eAuto, gesundes und leckeres Essen in der Kantine auf Kosten des Chefs, einmal pro Jahr das modernste Smartphone, vernünftige Altersvorsorge auf die man sich verlassen kann (Optionsscheine bei Startups sind in 80% der Fälle nichts wert) und der zinslose Kredit zum Kauf einer Wohnung oder eines Hauses, können gegen das Einkommen gerechnet werden.
Zu viel des Guten? Das ist die Quittung für die Digitalisierung und die Versäumnisse von Regierung und Industrie. Junge, gut ausgebildete Entwickler gibt es sehr wenige und die alten Hasen mit Know-how haben erkannt, dass die horrenden CEO Gehälter nur möglich sind, wenn die Entwickler einen genialen Jobs leisten. Für die kleinen Agenturen nicht leistbar? Das ist der Fluch von Globalisierung und Kapitalismus. Wer mitspielen will, muss auf Teufel komm raus wachsen. Und das heißt investieren.
Firmeninhaber sollten sich immer die Frage stellen, zu welchen Bedingungen sie selbst bereit wären als angestellter Geschäftsführer im gleichen Unternehmen zu arbeiten, also wenn sie nicht der Inhaber oder Teilhaber wären. Das ist eine gute Basis um einen guten Entwickler für die Agentur zu finden.