Habe dazu erst gestern ein interessantes (und langes) Onlinemeeting gehabt. Thema war: was gibt es für Argumente gegen PageBuilder? Mit dem Ziel den Block Editor zu bevorzugen für Umsetzung von neuen Websites.
Vorweg mein Motto: ich denke jedes Tool hat seine Daseinsberechtigung. So abstrus einem manche PageBuilder vorkommen, es gibt Anwender die diese nutzen und das sogar teilweise sehr erfolgreich. Ich halte daher sehr wenig von einer Debatte "der ist scheiße".
Mein Background: ich habe über die vielen Jahre in der WordPress-Welt mit sehr viel Software Erfahrungen sammeln dürfen. Ich lege mich selbst gar nicht für meine Projekte auf einen PageBuilder fest - ich wähle was am besten für das Projekt passt (technisch, aber auch menschlich - der Website-Inhaber muss ja damit klar kommen, nicht ich). U.a. auch da ich mich mit einigen PageBuildern schon recht gut auskenne.
In Zusammenhang mit meinen Plugins, vor allem dem Plugin Einfache Sprache, habe ich letztes Jahr über 30 PageBuilder angeschaut (und das sind noch nicht mal alle die es gibt). Ich habe erkannt, dass manche von denen wirklich nichts für mich (!) sind, aber sie haben eine teils enorme User-Basis, die damit durchaus auch hübsche und erfolgreiche Websites machen. Das bestärkte mich ganz besondere in meinem o.g. Motto.
Im Rahmen meiner Plugin-Entwicklungen habe ich aber auch die technischen Grenzen von PageBuildern kennengelernt. Auch beim Block Editor gibt es sie. Nur um einige Beispiele zu nennen:
- WPBakery: unterstützt keine Templates (bzw. nur als kostenpflichtiges Addon, was nicht mal richtig funktioniert nach meiner Erfahrung). Die Single-Ansicht z.B. eines Produktes bauen, geht gar nicht.
- Enfold: ähnliches Problem: keine Templates. Mein Ticket dazu bei denen ist seit einem Jahr unbearbeitet.
- NimbleBuilder: kommt einem vor wie aus einer anderen Welt, da er den Customizer aufpeppt. Und hier kommt man gestalterisch schnell an Grenzen, da selbst einfachste Optionen wie Hintergrundfarben fehlen.
- Block Editor: es ist z.B. nicht möglich Taxonomy-spezifische Single-Templates zu bauen. Wenn man z.B. Produkte der Kategorie "Hunde" anders darstellen möchte als "Katzen" - geht nicht (außer mit Custom CSS, aber sag das mal einem Endnutzer, der nicht wie ich seit 30 Jahren mit HTML/CSS lebt). Das schränkt mich in den Möglichkeiten in der Gestaltung ein. Es gibt seit 3 Jahren ein offenes Issue dazu im Gutenberg Team.
- Elementor: bei sehr langen einzelnen Seiten (viele Inhalte), kann er sehr träge werden bis hin zum Absturz. Man muss als Anwender dann schon wissen, wie man das umgehen kann (Inhalte in Einzeltemplates auslagern).
Ich treffe im WordPress-Support wie auch bei Meetups immer wieder auf Menschen, die sagen "Ich habe meine erste Website gebaut, mit Astra und Elementor. Ist das gut?" Wie kommt ein neuer Nutzer darauf, dass überhaupt zu nutzen? Es gibt sehr viele gut auffindbare Anleitungen, wie man Websites in dieser Kombination baut. Ich finde grundsätzlich erstmal nichts schlimmes dran. Es ist wunderbar, wenn Menschen ihre Website mit WordPress selbst aufsetzen, ohne Hilfe, und es ist eigentlich egal, welchen Weg sie wählen - wenn sie damit zurecht kommen. Einige dieser Menschen bei Meetups stießen dann irgendwann auf ihre Grenzen mit Elementor (meist wirklich kleinere Dinge wie das ausblenden des Seitentitels, nichts großes, was wirklich als KO-Kriterium gelten könnte). Aber dafür gibt es eben auch Hilfestellungen wie bei Meetups oder hier im Forum.
Zurück zur Frage des Topics: Elementor ist kein Allheilmittel. Der Block Editor ist es aber auch nicht. Es kommt immer drauf an ..